Pädiatrische Forschung (Kinderkrebs)

 

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Augenkrebs bei kleinen Kindern besser behandeln

 

Prof. Dr. med. Daniel Schorderet, Forschungsinstitut für Ophthalmologie (IRO), Sion

 

Das Retinoblastom ist eine zwar seltene, aber umso dramatischere Krankheit. Trotz Behandlung besteht das Risiko, dass der Patient – meistens ein Kleinkind – auf dem betroffenen Auge blind wird. Um die Therapie zu verbessern, will Prof. Dr. med. Daniel Schorderet die Genveränderungen entschlüsseln, die den Tumor auslösen.

 

Das Retinoblastom ist eine Krebsart, die fast nur bei Kleinkindern auftritt. Der Tumor wächst in der Netzhaut, deshalb erblinden die meisten betroffenen Kinder auf dem kranken Auge. Die erbliche Veranlagung spielt beim Retinoblastom eine wichtige Rolle. Bei vielen der kranken Kinder sind gewisse Gene so verändert, dass sie nicht mehr richtig funktionieren und sich deshalb ein Retinoblastom entwickeln kann.

 

Der Kinderarzt Prof. Dr. med. Daniel Schorderet vom Forschungsinstitut für Ophthalmologie (IRO) in Sion berät seit 20 Jahren die Familien von Kindern mit Retinoblastom. Zusammen mit Prof. Dr. med. Francis Munier vom Jules-Gonin Augenspital in Lausanne, dem führenden Experten für Retinoblastome in der Schweiz, untersucht er die genetischen Veränderungen, die diese Krebsart auslösen können.

 

Die beiden Forscher haben zum Ziel, die Behandlung des Retinoblastoms zu verbessern. Heute erhalten viele der kleinen Patienten eine Chemotherapie. Diese löst oft starke Nebenwirkungen aus, denn das verabreichte Medikament verteilt sich im ganzen Körper, obwohl es eigentlich nur im Auge wirken sollte. Daniel Schorderet und seine Kollegen möchten neue Medikamente entwickeln, die nur auf die Netzhaut wirken und die man direkt im Auge anwenden kann.
 
Bevor dies möglich ist, müssen die Wissenschafter aber mehr darüber wissen, wie Retinoblastome entstehen. Dazu werden Zellprozesse analysiert und Netzhäute untersucht. Die Forschergruppe hat zwar bereits eine Methode gefunden, wie man bei Mäusen mit Retinoblastom die Stoffwechselvorgänge so verändern kann, dass sich der Tumor nicht weiterentwickelt. Doch ob diese Methode auch bei Menschen funktioniert, ist momentan noch unbekannt. Dies herauszufinden wird viele Jahre Forschungsarbeit beanspruchen.

 

 

Wie verkraften kebskranke Kinder eine Bestrahlung?

 

PD Dr. med. Beate Timmermann, Paul Scherrer Institut, Villigen

 

In der Schweiz überleben 80% aller krebskranken Kinder ihre Krankheit. Doch wie geht es ihnen nach der Krebstherapie? Mit welchen Spätfolgen müssen sich die Patientinnen und Patienten dereinst auseinandersetzen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich PD Dr. med. Beate Timmermann vom Paul Scherrer Institut. Dort werden Kinder mit seltenen Krebskrankheiten mithilfe der so genannten Protonentherapie behandelt.

 

Das Paul Scherrer Institut (PSI) in Villigen ist weltweit eine der wenigen Institutionen, welche die Protonentherapie anbietet. Diese Form der Bestrahlung hat den grossen Vorteil, dass sich das gesunde Gewebe durch die präzise Erfassung des Zielgebiets – des Tumors – optimal schonen lässt. Gerade bei der Behandlung von Kindern, deren Organismus sich noch entwickelt, ist dies von wesentlicher Bedeutung.

 

Denn jede Bestrahlung bringt nicht nur Heilung, sondern auch unerwünschte Nebenwirkungen. Aus diesem Grund untersucht PD Dr. med. Beate Timmermann, ob bei Kindern, die mit Protonenstrahlung behandelt wurden, weniger Spätfolgen auftreten als nach einer herkömmlichen Strahlentherapie. Die konventionelle Bestrahlung des Gehirns kann bei Kindern beispielsweise zu einer verlangsamten geistigen Entwicklung führen. Wichtig ist auch, wie sich die Therapiefolgen auf die spätere Lebensqualität der Patientinnen und Patienten auswirken. «Nur wenn wir wissen, welche Nebenwirkungen und Spätfolgen die Therapie auslöst, können wir diese auch verbessern», betont Beate Timmermann.

 

Die Krebsarten, die mit Protonentherapie bekämpft werden, kommen nur sehr selten vor. Beispiele sind Weichteilsarkome in der Augenhöhle oder bestimmte Formen von Hirntumoren. Würden bei diesem Forschungsprojekt ausschliesslich die Daten der Schweizer Patienten verwendet, käme man nur langsam voran, und die Resultate wären nicht schlüssig. Deshalb arbeitet Dr. Timmermann intensiv mit anderen Institutionen im In- und Ausland zusammen, zum Beispiel den Universitäts-Kinderspitälern in Zürich und Düsseldorf oder dem Universitätsspital Münster.

 

Trotz Krebs zuhause statt im Spital


PD Dr. med. Roland Ammann, Medizinische Universitäts-Kinderklinik, Departement Hämatologie/Onkologie, Inselspital, Bern


Nicht alle Kinder, die während einer Krebstherapie Fieber bekommen, müssen ins Spital. Manche können auch zuhause mit Antibiotika behandelt werden. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die sich mit der bestmöglichen Therapie bei Kinderkrebs befasst.

 

Die meisten krebskranken Kinder erhalten eine Chemotherapie. Eine der gefährlichsten Folgen dieser Behandlung besteht darin, dass die Anzahl weisser Blutkörperchen im Blut abnimmt (Neutropenie) und das Immunsystem der Kinder stark geschwächt wird. Viele der betroffenen Kinder leiden in dieser Phase der Krankheit an Infektionen mit hohem Fieber. Wird eine fiebrige Neutropenie nicht sofort mit Antibiotika behandelt, kann dies zum Schock und sogar zum Tod führen.

 

Bis anhin mussten krebskranke Kinder mit einer fiebrigen Neutropenie sofort ins Spital, wo sie eine intravenöse Antibiotikatherapie erhielten. Das Risiko für eine Neutropenie ist aber nicht bei allen Kindern gleich hoch – die Anfälligkeit hängt von der Krebsform, der Art der Chemotherapie, dem Allgemeinzustand und anderen Faktoren ab. Im Rahmen einer Studie der Schweizerischen Pädiatrische Onkologie Gruppe (SPOG), die an verschiedenen Kinderspitälern der Schweiz durchgeführt wurde, hat man nun herausgefunden, dass wenig gefährdete Kinder auch zuhause mit Antibiotika behandelt werden können. Natürlich müssen die Kinder gut überwacht werden: Alle 24 Stunden findet eine medizinische Konsultation statt, und die Eltern müssen den Verlauf des Fiebers in kurzen Zeitabständen kontrollieren. Unter diesen Voraussetzungen ist die Antibiotikatherapie zuhause genau so sicher wie die intravenöse Therapie im Spital.

 

Die Antibiotikatherapie zuhause hat eine ganze Reihe von Vorteilen. Das Kind kann in der gewohnten Umgebung bleiben, wo es sich wohl fühlt. Auch ist die Gefahr, dass sich eine Resistenz gegen die Antibiotika entwickelt, geringer als im Spital. Und letztlich sind die Kosten einer Behandlung zuhause niedriger als bei einem Spitalaufenthalt.