Psychosoziale Forschung
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Gute Gespräche verbessern die Lebensqualität
Prof. Dr. med. Jean-Nicolas Despland, Institut für Psychotherapie, Universität Lausanne
Wie sollen wir miteinander reden? Diese Frage stellen sich nicht nur Paare, sondern auch Ärzte und Patienten. Wenn es in Arzt-Patienten- Gesprächen um heikle Themen wie Krebs geht, ist eine gute Kommunikation besonders wichtig. Doch unbewusste Abwehrmechanismen können das gegenseitige Verständnis empfindlich stören.
Einfühlsame und informative Gespräche zwischen Arzt und Patient sind bei Krebserkrankungen enorm wichtig. Denn die Patientinnen und Patienten befinden sich in einer bedrückenden, oft sogar lebensbedrohlichen Situation. Wenn die Kommunikation nicht stimmt, werden sie stark verunsichert. Die Patienten können dann Krankheit und Behandlung oft weniger gut bewältigen als Personen, die sich vom Arzt gut verstanden und aufgeklärt fühlen.
Verunsicherte Patienten leiden bei der Therapie beispielsweise mehr an Schmerzen und haben insgesamt eine schlechtere Lebensqualität. Aber auch für die behandelnden Ärztinnen und Ärzte ist die ineffektive Kommunikation unbefriedigend. Die Folgen können vermehrter Stress, Unzufriedenheit mit der Arbeit und emotionales Burn-out sein.
Oft kommen den Ärzten bei Patientengesprächen die eigenen Abwehrmechanismen in die Quere. Äussert der Patient Gefühle wie Angst, Trauer oder Schuld, werden diese vom Arzt oft unbewusst abgewehrt. Dies führt letztlich zu einem unbefriedigenden Gespräch, in dem der Patient den Eindruck bekommt, der Arzt würde auf seine Bedürfnisse nicht eingehen.
Prof. Dr. med. Jean-Nicolas Despland untersucht die Zusammenhänge zwischen den Abwehrmechanismen von Ärzten und der Zufriedenheit ihrer krebskranken Patienten. Dazu werden Gespräche aufgezeichnet und analysiert, welche die Ärzte der Universität Lausanne mit Patienten führen, die an fortgeschrittenem Brust-, Lungen-, Prostata- oder Darmkrebs leiden. «Wenn bekannt ist, wie unbewusste Gefühle ein Gespräch stören können, lässt sich auch etwas dagegen unternehmen», erklärt Jean-Nicolas Despland, «zum Beispiel mit entsprechend angepassten Kommunikationstrainings für Ärzte, die Krebskranke behandeln.»
Mehr Sicherheit während der Chemotherapie
PD Dr. med. David Schwappach, MPH, Stiftung für Patientensicherheit, Zürich
Viele Patientinnen und Patienten mit Krebs benötigen eine Chemotherapie. Die Medikamente, die dabei eingesetzt werden, sind sehr aggressiv – und können mitunter gefährlich sein. Fehler bei der Behandlung wirken sich für die Patienten rasch fatal aus. PD Dr. med. David Schwappach strebt mit seiner Forschungsarbeit an, solche Fehler zu vermeiden und die Sicherheit der Patienten zu verbessern.
Irren ist menschlich, auch in der Medizin. Aus diesem Grund ist bei einer Chemotherapie grösste Vorsicht angebracht. Immer wieder wird überprüft, welcher Patient welches Medikament in welcher Dosierung erhält. Doch selbst bei sorgfältigem Arbeiten kann es bei der Behandlung mit Chemotherapeutika zu Irrtümern kommen – wie bei jeder Handlung, die von Menschen ausgeführt wird.
«Patienten können selbst viel dazu beitragen, Fehler zu verhindern», sagt PD Dr. med. David Schwappach von der Stiftung für Patientensicherheit. «Eine Chemotherapie dauert oft mehrere Wochen oder Monate. Deshalb kennen die Patienten den Ablauf mit der Zeit genau: Sie wissen, wie das verabreichte Medikament aussieht, wie lange die Infusion dauert, welche Handlungen die Fachpersonen vornehmen und welche Nebenwirkungen wann auftreten. Abweichungen vom üblichen Schema nimmt der Patient meistens als Erster wahr.» David Schwappach erforscht, ob man die Sicherheit bei einer Chemotherapie erhöhen kann, indem man die Patienten systematisch über wichtige Aspekte ihrer Behandlung informiert. Dazu muss er zunächst wissen, ob Krebspatienten überhaupt bereit sind, sich stärker an ihrer Therapie zu beteiligen.
Er und seine Mitarbeitenden befragen Betroffene zum Ablauf der Chemotherapie, über besondere Vorkommnisse und über ihre persönlichen Wünsche und Vorstellungen. Aus den Daten wird ermittelt, wo es Fehlerpotenzial gibt und wie Patientinnen und Patienten Abweichungen vom richtigen Vorgehen erkennen können. «Es ist aber auch sehr wichtig, die Patienten nicht zu überfordern – selbst wenn sie eine aktive Beteiligung an der Therapie wünschen», betont Dr. Schwappach. «Die Hauptverantwortung für die Sicherheit liegt nicht beim Patienten, sondern beim Arzt und den Pflegenden.»
Wenn Heilung nicht mehr möglich ist
Prof. Dr. Christoph Rehmann-Sutter, Arbeitsstelle für Ethik in den Biowissenschaften, Universität Basel
Forschung und Medizin haben in den letzten Jahren bei der Behandlung von Krebs grosse Fortschritte erzielt. Dennoch können leider nicht alle Krebspatienten geheilt werden. Wenn eine Krebskrankheit fortschreitet, müssen sich Patient, Angehörige und Pflegende damit auseinandersetzen, dass das Leben des Kranken dem Ende zugeht. Wie verarbeiten die betroffenen Menschen eine solche Situation?
Bei vielen Patientinnen und Patienten, die unter Krebs im Endstadium leiden, kommt der Wunsch auf, bald sterben zu können. Ein solcher Wunsch hat immer eine ganz individuelle Bedeutung. Manche Patienten möchten zwar sterben, aber nicht in den natürlichen Verlauf der Krankheit eingreifen. Andere Patienten würden das Sterben gern beschleunigen, sei es durch passive oder sogar aktive Massnahmen.
Warum entsteht dieser Wunsch nach dem Tod? Wie gehen die Patienten und Patientinnen selbst, aber auch ihre Angehörigen und die Pflegenden mit diesem Wunsch um? Welche Anliegen haben Menschen, die wissen, dass sie nicht mehr lange leben werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich eine Studie der Arbeitsstelle für Ethik in den Biowissenschaften der Universität Basel.
Insgesamt werden mit Patienten, Angehörigen und Pflegenden 165 detaillierte Gespräche geführt. Die Situation von schwer kranken Menschen lässt sich aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten: Was der Patient selbst denkt und empfindet, wie seine Angehörigen die Lage einschätzen, und auch wie die Pflegenden mit den Wünschen des Patienten umgehen. Dabei interessieren sich die Forschenden sowohl für die Ängste und Hoffnungen, die mit dem Sterbewunsch einhergehen, als auch für die Haltung und ethische Einstellung der Befragten zum Sterbewunsch.
Die Resultate dieser Studie werden mithelfen, die Betreuung von Menschen, die am Ende ihres Lebens angekommen sind, weiter zu verbessern. Denn wenn man weiss, welche Sorgen und Anliegen die Betroffenen haben, lassen sich Behandlungen und Beratungen entsprechend anpassen.

