Krebsforschung SchweizKrebsforschungUnterstützte ForschungsprojekteBeispielhafte wissenschaftliche VorhabenBewegung verhindert Muskelschwund und Blutarmut

Bewegung verhindert Muskelschwund und Blutarmut

Viele Krebspatientinnen und -patienten verlieren krankheitsbedingt an Muskelmasse. Oft wird die Leistungsfähigkeit der Muskeln zudem noch durch Blutarmut eingeschränkt: Eine kleinere Zahl von roten Blutkörperchen kann weniger Sauerstoff transportieren. Doch Bewegung verbessert gleich beide Beschwerden, zeigt ein von der Stiftung Krebsforschung Schweiz unterstütztes Projekt.

Eine Krebserkrankung bleibt vielfach lange unbemerkt, bis sich als erstes Anzeichen ein auffälliger Gewichtsverlust einstellt, der sich auch durch erhöhte Kalorienzufuhr nicht mehr umkehren lässt. Die Fachsprache kennt zwar den Begriff der «Kachexie» (aus dem Altgriechischen für «schlechter Zustand»), um den krankheitsbedingten Abbau der Muskelmasse und das damit einhergehende Schwinden der Fettreserven zu bezeichnen. Aber was genau diese unheilvolle Entwicklung auslöst und antreibt, wird noch sehr wenig verstanden. Weil schätzungsweise bis zu 40 Prozent der Krebspatientinnen und -patienten nicht dem Tumor an sich, sondern der Kachexie erliegen, ist ein besseres Verständnis bitter nötig. «Mit unserem Projekt sind wir den molekularen Mechanismen der Kachexie etwas mehr auf den Grund gegangen», sagt Christoph Handschin, Professor für Pharmakologie an der Universität Basel.

Die Forschungsgruppe um Handschin hat in ihren Versuchen verglichen, wie sich Tumoren in Mäusen entwickeln, die entweder in Käfigen ohne Laufrad oder solchen mit Laufrad gehalten wurden. Im Blut von krebskranken Mäusen, die sich wenig bewegten, sammelten sich Fettsäuren an. «Das Blutplasma war milchig, das fällt einem sofort auf», sagt Handschin. Überrascht waren die Forschenden, als sie feststellten, dass die Veränderungen in diesem so genannten metabolischen Blutprofil zu einer verkürzten Lebenszeit von roten Blutkörperchen – und also zu deren Verknappung – führten. Weil diese Verknappung mit einer verminderten Transportkapazität für Sauerstoff einhergeht (den die Muskeln benötigen, um ihre Arbeit zu verrichten), trägt die Blutarmut, genau wie der Muskelschwund, zur allgemeinen Schwächung bei.

Das Blutplasma von Mäusen, die sich im Laufrad bewegen konnten, war jedoch klar. «Offenbar kann die Muskelaktivität das metabolische Blutprofil wenigstens teilweise normalisieren», sagt Handschin. Im Blut von Mäusen mit ausreichender Bewegung waren auch mehr rote Blutkörperchen zu finden. In Ausdauertests war diese Gruppe von Mäusen ihren Artgenossen ohne Zugang zum Laufrad deutlich überlegen. Hat die Bewegung auch beim Menschen einen ähnlich positiven Effekt? Handschin arbeitet nun mit der Onkologie des Universitätsspitals Basel zusammen – und möchte als Nächstes die Blutproben von Patientinnen und Patienten untersuchen, die an einer Bewegungsstudie teilnehmen.

Projekt-Nummer: KFS-3733-08-2015