Krebsforschung SchweizKrebsforschungUnterstützte ForschungsprojekteBeispielhafte wissenschaftliche VorhabenDas Ausweichen von Tumorzellen vereiteln

Das Ausweichen von Tumorzellen vereiteln

Damit sie rasch wachsen können, müssen Hirntumorzellen eine intensive Eiweissproduktion aufrechterhalten. Doch Wirkstoffe, die einen stimulierenden Signalweg hemmen und so die Herstellung von Eiweissen drosseln, haben bisher in klinischen Studien enttäuscht. Das liegt daran, dass Zellen den Ausfall mit einem anderen Signalweg kompensieren. Auch dieser muss ausgeschaltet werden, zeigen Forschende um Brian Hemmings vom Friedrich Miescher Institut in Basel in ihren von der Stiftung Krebsforschung Schweiz geförderten Arbeiten.

Hirntumore oder Gliome machen nur etwa zwei Prozent aller Krebserkrankungen aus – betreffen aber dennoch jährlich rund 600 Menschen in der Schweiz. Die häufigste und aggressivste Form, das Glioblastom, führt in zwei Dritteln der Fälle innert zwei Jahren zum Tod. Die sich rasch vermehrenden Zellen eines Glioblastoms sind auf einen intensiven Stoffwechsel angewiesen. Wie aus früheren Untersuchungen bekannt ist, spielt der mTORC1-Komplex in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle: Er löst bei der Herstellung von Eiweissen eine in gesunden Zellen eingebaute Bremse.

Tierversuche mit Substanzen, die diesen Komplex hemmen, haben die Hoffnung geschürt, dass die Medizin eine neue Waffe gegen Glioblastome erhielte. Doch in den darauffolgenden klinischen Studien hat sich diese Hoffnung zerschlagen. Offensichtlich sind die Tumorzellen in der Lage, den Ausfall des mTORC1-Komplexes auszugleichen. Mehr noch: Die gleichen Substanzen, die den mTORC1-Komplex hemmen, aktivieren im gleichen Zug einen anderen Signalweg, der schliesslich die Bremse in den Zellen zu lösen vermag, wie Brian Hemmings und sein Team am Friedrich Miescher Institut in Basel nun nachgewiesen haben.

Wie lässt sich dieses frustrierende Nullsummenspiel durchbrechen? Auf ihrer Suche nach einer Antwort testeten die Forschenden um Hemmings eine Kombination von Wirkstoffen. Tatsächlich konnten sie die Vermehrung der Krebszellen einschränken, als sie ihre Zellkulturen im Labor gleichzeitig sowohl mit dem Hemmstoff des mTORC1-Komplexes als auch mit einer gegen den anderen Signalweg gerichteten Substanz behandelten. Mit diesem doppelten Angriff konnten sie auch in Tierversuchen das Wachstum der Hirntumoren unterbinden. Damit haben die Forschenden nicht nur mehr Licht ins Dunkel der komplexen zellulären Regelkreise gebracht, sondern laut Hemmings auch eine mögliche neue therapeutische Option aufgezeigt – die es nun weiter zu erforschen gilt.