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Effizienter nach krebserregenden Viren suchen

Die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs hat die Erkrankungsrate halbiert. Nun zeigen Forschende, dass ein neuer Test in Zukunft helfen könnte, noch mehr Krebsfälle zu vermeiden.

Die Pap-Abstriche sind eine Erfolgsgeschichte. Dank ihnen erkranken heute in der Schweiz nur noch ungefähr halb so viele Frauen an Gebärmutterhalskrebs wie noch vor 50 Jahren. Erst als gegen Ende der 1960er-Jahre die ersten Früherkennungstests Anwendung fanden, konnten erstmals auch Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs nachgewiesen und nötigenfalls operativ entfernt werden.

Doch sie sind nicht perfekt. Das Problem: Die nach dem griechischen Arzt Papanicolaou benannten Pap-Abstriche werden hierzulande bei einem Teil der Frauen zu oft, bei einem anderen Teil zu wenig gemacht. So schätzte das Bundesamt für Gesundheit etwa, dass in der Schweiz zwar mehr als eine Million Pap-Abstriche entnommen würden. «Eigentlich würden für eine komplette Abdeckung nur halb so viele Abstriche genügen», schreibt Patrick Petignat vom Universitätsspital Genf in einem Fachbeitrag. Dennoch decken die Tests nur etwa zwei Drittel aller Frauen in der Schweiz ab. Wenn Gynäkologen ihre Patientinnen zur jährlichen Kontrolle einladen, drohen vor allem Frauen aus ärmeren Haushalten durch die Maschen zu fallen.

In einer von der Stiftung Krebsforschung Schweiz geförderten Studie hat ein Team von Forschenden um Petignat untersucht, ob diese vom normalen System vernachlässigten Frauen besser versorgt sind, wenn ihnen ein neuartiger Test angeboten wird, den sie selbst durchführen können. 

Einfach, praktisch und privat

Die 158 Teilnehmerinnen der Studie erhielten per Post ein kleines Paket mit den nötigen Utensilien, um sich selbst eine Probe ihres Vaginalsekrets zu entnehmen. Auf Fragebögen konnten sie zudem angeben, wie ihre Erfahrungen mit dem Selbsttest waren und wieso sie bisher der Früherkennung ferngeblieben waren. Petignats Resultate sind ermutigend: Zwar berichteten 26 Frauen (16 Prozent aller Teilnehmerinnen) über Schmerzen, die sie beim Selbsttest erlitten hatten. Doch 106 Frauen (82 Prozent aller Probandinnen) fanden den Selbsttest besser als die von Gynäkologen durchgeführten Untersuchungen, weil er einfacher und privater sei. Dass die teilnehmenden Frauen bisher keine Pap-Abstriche machen liessen, «liegt mehr an praktischen, denn an emotionalen Gründen», schreibt Petignat. Neben der Erwerbsarbeit und der Betreuung von Kindern bliebe den Frauen schlicht nicht genügend Zeit für einen Besuch bei ihrem Gynäkologen. Als weitere Begründung nannten die Frauen, dass der Arztbesuch zu viel koste.

Aus ihren Resultaten schliessen die Forschenden, dass der Selbsttest einen gangbaren Weg darstellt, um mit der Früherkennung mehr Frauen in der Schweiz abzudecken – und noch mehr Gebärmutterhalskrebsfälle zu vermeiden. Denn der Selbsttest beruht nicht wie der Pap-Abstrich auf dem Nachweis von mikroskopisch sichtbaren Veränderungen in den Gebärmutterhalszellen. Sondern der Test fahndet im Vaginalsekret mit molekularbiologischen Verfahrennach dem Erbgut von Humanen-Papilloma-Viren. «Dadurch lassen sich gefährliche Krebsvorstufen besser erkennen als mit den klassischen Pap-Abstrichen», schreibt Petignat. Deckt ein solcher Test bei einer Frau keinerlei virales Erbgut auf, wäre der nächste Test erst nach mehreren Jahren wieder fällig.