Krebsforschung SchweizKrebsforschungUnterstützte ForschungsprojekteBeispielhafte wissenschaftliche VorhabenEine bessere und günstigere Art von Medizin am Lebensende

Eine bessere und günstigere Art von Medizin am Lebensende

Wer während einer palliativmedizinischen Beratung klärt, wo die Prioritäten in der verbleibenden Lebenszeit liegen, kommt im Schnitt besser mit seiner Situation zurecht. Die Anzahl von Notfallbehandlungen sinkt, doch wie stark die Kosten sinken, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, weil es in der Schweiz sehr schwierig ist, Krankenkassendaten auszuwerten.

So hatte sich das Steffen Eychmüller, der Leitende Arzt des Zentrums für Palliative Care am Inselspital Bern, eigentlich nicht vorgestellt. Gemeinsam mit seinem Team hat er von 99 Patientinnen und Patienten mit Krebs im Endstadium eine Einwilligung eingeholt, dass ihre Krankenkassen-Abrechnungen im Rahmen einer Wirtschaftlichkeitsanalyse ausgewertet werden dürfen. Doch manche Krankenkassen sträubten sich. Bisher haben die Forschenden nur die Datensätze von 54 Patientinnen und Patienten erhalten. «Wir sind immer noch am Jagen», sagt Eychmüller, obwohl die Untersuchung nach fast drei Jahren Laufzeit eigentlich längst abgeschlossen sein sollte.

Hinzu kommt, dass jede Krankenkasse die Kostendaten unterschiedlich strukturiert. Mit viel Geduld haben die Forschenden die Daten zusammengeführt, um eine Antwort auf die Frage zu suchen, die sie in ihrem von der Stiftung Krebsforschung Schweiz geförderten Projekt aufgeworfen hatten: Wie wirkt sich eine palliativmedizinische Beratung und Vorausplanung auf die Behandlungskosten am Lebensende aus? Aufgrund der begrenzten Stichprobengrösse hat die Untersuchung nur eine eingeschränkte Aussagekraft.

Trotzdem zeigte sich, dass Patientinnen und Patienten mit einem Beratungsgespräch im letzten Lebensmonat eine im Schnitt weniger kostenintensive Versorgung in Anspruch nahmen – und beispielsweise weniger oft die Notfallstation aufsuchen mussten – als Patientinnen und Patienten ohne palliativmedizinische Betreuung. Zusammen mit den Antworten aus den Fragebögen, die die Forschenden an die Angehörigen verteilt hatten, die sich daheim um die Krebsbetroffenen kümmerten, zeichnen die Resultate ein deutliches Bild: Wer als Patientin oder Patient die Prioritäten in der verbleibenden Lebenszeit definiert, behält die Kontrolle und kommt im Schnitt deshalb besser mit seiner Situation zurecht.

Durchschnittlich dauerte das Beratungsgespräch 52 Minuten und kostete mit Vor- und Nachbereitung 380 Franken. In der Studie wurde dieser finanzielle Mehraufwand mehr als kompensiert: In der Gruppe der Patientinnen und Patienten ohne Vorausplanung beliefen sich die durchschnittlichen Behandlungskosten im letzten Lebensmonat auf 7649 Franken, in der Gruppe mit Beratung auf 7033 Franken. «Die Kostenanalysen und das Empfinden der Betroffenen weisen in die gleiche Richtung. Sie zeigen: Die Palliativberatung kann die Behandlung am Lebensende qualitativ verbessern ohne sie zu verteuern», sagt Eychmüller.

Projekt-Nummer: KFS-3725-08-2015