Krebsforschung SchweizKrebsforschungUnterstützte ForschungsprojekteBeispielhafte wissenschaftliche VorhabenIst Bewegung das beste Schmerzmittel?

Ist Bewegung das beste Schmerzmittel?

Fast die Hälfte aller Frauen, die nach ihrer Brustkrebsoperation antihormonell behandelt werden, kriegen Gelenk- und Muskelschmerzen. Können die unangenehmen Nebenwirkungen der Therapie mit regelmässiger Bewegung vermieden werden?

Brustkrebspatientinnen nach den Wechseljahren erhalten während mehreren Jahren nach ihrer Operation eine antihormonelle Behandlung mit so genannten Aromatase-Inhibitoren, wenn ihr Tumor Hormonrezeptoren aufweist, was mehrheitlich der Fall ist. Die Medikamente helfen, einen Rückfall – ein Wiederauftreten des Tumors – zu vermeiden. Doch fast die Hälfte der Frauen kriegen auch die Nebenwirkungen der Therapie zu spüren: Steifigkeit und Schmerzen in den Armen oder Beinen.

Wieso die Medikamente Gelenkschmerzen auslösen, sei noch nicht vollständig geklärt, aber die Beschwerden führten häufig dazu, dass Patientinnen ihre Therapie abbrechen, sagt Friedemann Honecker vom Tumor- und Brustzentrum ZeTuP in St. Gallen. Dass Bewegung hilft, Schmerzen bei antihormonell behandelten Patientinnen zu bekämpfen und erträglicher zu machen, ist gut belegt. Ob aber Bewegung auch präventiv wirkt – und also hilft, Schmerzen gar nicht erst aufkommen zu lassen und somit auch Therapieabbrüche zu vermeiden –, ist eine offene Frage.

Um sie zu beantworten, hat Honecker gemeinsam mit Nicolette Hoefnagels, der Studienkoordinatorin des ZeTuP, und mit finanzieller Unterstützung der Stiftung Krebsforschung Schweiz eine klinische Studie entworfen. Alle Teilnehmerinnen der Studie erhalten einen Schrittzähler. Aber die Hälfte der Teilnehmerinnen – die so genannte Kontrollgruppe, die durch zufällige Auswahl entsteht – trägt den Zähler während 24 Wochen mit sich herum, ohne etwas auf der Anzeige zu sehen.

Die andere Hälfte – die Interventionsgruppe – wird angeleitet, sich an einem einfachen Bewegungsprogramm zu beteiligen, das im Wesentlichen aus fünf halbstündigen Spaziergängen in zügigem Gehtempo pro Woche besteht. Die Interventionsgruppe soll zur Motivationssteigerung auch ein Tagebuch führen – und erhält vom Schrittzähler eine tägliche Rückmeldung, ob das angepeilte Ziel erreicht wurde.

Hoefnagels und Honecker hoffen, dass sie zusammen mit der Brustkrebsgruppe der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Klinische Krebsforschung in den nächsten drei Jahren 333 Patientinnen zu einer Teilnahme an der Studie bewegen können. Dann müssen sie die Daten sammeln und auswerten. Mit den endgültigen Resultaten rechnen sie nicht vor dem Jahr 2022.