Krebsforschung SchweizKrebsforschungUnterstützte ForschungsprojekteBeispielhafte wissenschaftliche VorhabenModell für das invasive lobuläre Karzinom

Modell für das invasive lobuläre Karzinom

Das invasive lobuläre Karzinom gehört zwar zu den hormonrezeptor-positiven Brustkrebsarten, aber es spricht nicht gut auf die aktuell verfügbaren Therapien an. In einem von der Stiftung Krebsforschung Schweiz geförderten Projekt haben Forschende nun die molekularen Eigenschaften dieses Brustkrebstypus charakterisiert - und dabei neue therapeutische Angriffspunkte identifiziert.

Vor einigen Jahrzehnten galt Brustkrebs noch als eine einzige Krankheit, heute umfasst der Begriff viele verschiedene Erkrankungen, die sich voneinander abgrenzen – und gezielt behandeln – lassen. Doch der Wissensfortschritt verläuft nicht linear, sondern auf gewundenen Wegen. «Beim Brustkrebs gibt es mehrere parallele Klassifikationen, das stiftet Verwirrung», sagt Cathrin Brisken, Professorin an der EPFL, der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne.

In der Klinik spielt etwa die Klassifikation nach Rezeptorstatus eine wichtige Rolle, denn Patientinnen, deren Krebszellen keine Östrogen-Rezeptoren ausbilden, werden dementsprechend anders behandelt als Patientinnen mit hormonrezeptor-positivem Brustkrebs. «Die Unterscheidung ist therapeutisch relevant», erklärt Brisken. Doch andere Befunde würden weniger beachtet. So schaut sich beispielsweise die Pathologie das Erscheinungsbild der Krebszellen im Mikroskop an. In den meisten Fällen, etwa 70 Prozent, findet sie dabei nichts Besonderes. Das sind die so genannten nicht-spezifischen Typen von Tumoren.

Doch 30 Prozent sehen anders aus: «Für die spezifischen Tumore gibt es blumige Beschreibungen, aus denen sich aber oft keine Schlussfolgerungen für die Wahl einer geeigneten Behandlung ziehen lassen», sagt Brisken. Bei gut der Hälfte dieser spezifischen Tumoren handelt es sich um das so genannte invasive lobuläre Karzinom. «Es gehört zwar zu den hormonrezeptor-positiven Brustkrebsarten, aber es spricht nicht gut auf Tamoxifen an, das standardmässig als endokrine Therapie eingesetzt wird», führt Brisken aus.

Mit dem Ziel, die Aussichten von Patientinnen mit dieser Brustkrebsart zu verbessern, haben Brisken und ihr Team – in einem von der Stiftung Krebsforschung Schweiz geförderten Projekt – Krebszellen aus Biopsien isoliert. Und die Zellen durch die Nippel in die Milchgänge von Mäusen injiziert. Dann wiesen Brisken und ihr Team nach, dass diese so genannten Xenotransplantationsmodelle in vielfacher Hinsicht der menschlichen Erkrankung ähneln und zum Beispiel ebenfalls typischerweise Metastasen in die Eierstöcke und die Hirnhäute streuen.

Detaillierte Untersuchungen an diesen Modellen brachten auch besondere molekulare Eigenschaften dieser Brustkrebsart ans Licht: «Wir haben entdeckt, dass die Tumorzellen entlang von Kollagenfasern wachsen – und dass eine chemische Blockade des Enzyms, das bei der Herstellung solcher Kollagenfasern eine zentrale Rolle spielt, das Wachstum und die Metastasierung des Tumors hemmt», sagt Brisken. In ihren Versuchen haben die Forschenden allerdings ein Molekül verwendet, das aufgrund der schweren Nebenwirkungen als Therapeutikum nicht in Frage kommt. Nun arbeiten Brisken und ihr Team mit einer Forschungsgruppe aus Grossbritannien zusammen, um eine Substanz zu finden, die spezifischer wirkt.

Projekt-Nummer: KFS-3701-08-2015