Krebsforschung SchweizKrebsforschungUnterstützte ForschungsprojekteBeispielhafte wissenschaftliche VorhabenNeue Einblicke ins Arzt-Patienten-Gespräch

Neue Einblicke ins Arzt-Patienten-Gespräch

Mit Methoden der qualitativen Sozialforschung haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Audioaufnahmen von Arzt-Konsultationen untersucht. Dabei sind sie auf neue Mechanismen gestossen, die für das Gespräch zwischen Betroffenen und Spezialisten eine wichtige Rolle spielen.

In der Schweiz ist das Kommunikationstraining seit 2006 obligatorisch in der Fachausbildung von Onkologinnen und Onkologen. In diesem Kurs üben die Krebsspezialisten verschiedene Gesprächsführungstechniken und reflektieren ihr persönliches Kommunikationsverhalten, mit dem Ziel, den hohen kommunikativen Anforderungen in ihrem Beruf möglichst gerecht zu werden. Eine Krebserkrankung löst bei den Betroffenen existentielle Fragen und Überlegungen aus, von ihrem Behandlungsteam erwarten sie deshalb auch die Bereitschaft, sich in andere Menschen einzufühlen – und die Fähigkeit, mitunter komplexe Sachverhalte auf verständliche Art darzulegen.

Doch was genau es ausmacht, dass eine Patientin oder ein Patient mit einem Gespräch zufrieden ist, ist schwer zu fassen. Bisher hätte sich die Kommunikationsforschung vor allem auf einzelne Aspekte der Gespräche konzentriert und beispielsweise erfasst, wie viele offene Fragen in einer Besprechung gestellt werden, meint der Psychiater und Psycho-Onkologe Friedrich Stiefel. Mit seiner Kollegin Céline Bourquin vom Universitätsspital CHUV in Lausanne hat er diesen engen Blickwinkel verlassen: In ihrem von der Stiftung Krebsforschung Schweiz geförderten Projekt haben die Forschenden Audioaufnahmen von 24 zufällig ausgewählten Arzt-Konsultationen mit Methoden der qualitativen Sozialforschung eingehend untersucht.

Dabei haben sie neue Muster in Arzt-Patienten-Gesprächen gefunden: Ob und wie offen ein Patient seine Gefühle zum Ausdruck bringt, hängt zum Beispiel auch davon ab, wie er auf die Therapie anspricht. «Solche Muster zeigen auf, dass eine ganzheitliche Analyse der Gespräche notwendig ist, um die verschiedenen Faktoren zu erfassen, die letztendlich die Atmosphäre eines Gesprächs ausmachen», sagt Stiefel. Die Atmosphäre spielt eine wichtige Rolle, wie zufrieden eine Patientin oder ein Patient mit dem Gespräch ist. Und das wirkt sich wiederum auf das Vertrauen und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit – und also auf die Therapietreue – aus. Deshalb erhöht eine gute Kommunikation die Wirksamkeit der Behandlung.

Projekt-Nummer: KFS-3459-08-2014