Krebsforschung SchweizKrebsforschungUnterstützte ForschungsprojekteBeispielhafte wissenschaftliche VorhabenPräzisere Strahlentherapie mit weniger Nebenwirkungen

Präzisere Strahlentherapie mit weniger Nebenwirkungen

Cristina Müller und ihr Team möchten die Aussichten von Patienten mit metastasiertem Prostatakrebs entscheidend verbessern. Die Forschenden entwickeln neue radioaktive Moleküle, die sich in Krebszellen anreichern – und diese mit ihrer Strahlung abtöten.

Neue Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit metastasiertem Prostatakrebs

Wird der Prostatakrebs rechtzeitig erkannt, können 90 Prozent der Patienten erfolgreich behandelt werden. Doch wenn der Tumor schon Ableger, so genannte Metastasen, gebildet hat, ist die 5-Jahre-Überlebensrate leider sehr tief. Aus diesem Grund gilt Prostatakrebs nach dem Lungenkrebs immer noch als zweithäufigste Krebstodesursache bei Männern in der Schweiz. Die Forschungsgruppe um Cristina Müller am Paul Scherrer Institut in Villigen möchte in ihrem von der Stiftung Krebsforschung Schweiz geförderten Projekt die Aussichten dieser Patientengruppe verbessern: Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entwickeln neuartige Moleküle, die sich in Krebszellen anreichern – und diese mit ihrer radioaktiven Strahlung abtöten.

Bei den meisten Prostatakrebspatienten weisen die Krebszellen auf ihren Oberflächen 100 bis 1000 Mal höhere Konzentrationen eines bestimmten Eiweisses namens PSMA (Prostata-spezifisches-Membran-Antigen) auf als gesunde Prostatazellen. In den letzten Jahren sind denn auch mehrere Radiopharmazeutika entwickelt worden, die an das PSMA binden. «Mit dieser gezielten Radiotherapie hat sich ein Wendepunkt in der Behandlung von Patienten mit metastasiertem Prostatakrebs eingestellt», sagt Müller. «Aber die Herausforderung ist, dass Mikrometastasen oder sogar einzelne Krebszellen die Therapie überstehen und die Erkrankung wieder aufflammen lassen können.» Müller und ihr Team arbeiten deshalb an einer neuen Generation von PSMA-gezielten-Radiopharmazeutika, die sich vor allem in zwei Dingen von den bisher entwickelten Molekülen unterscheiden. Erstens soll ein chemisch hinzugefügter Bestandteil dafür sorgen, dass das neue Molekül vermehrt von Krebszellen aufgenommen wird.

Und zweitens möchten Müller und ihr Team eine andere Strahlungsquelle verwenden als Lutetium-177, das «zurzeit beste in der Klinik verwendete Radionuklid», wie Müller versichert. In Zukunft soll Terbium-161 zum Einsatz kommen, das neben den so genannten Beta- Strahlen (die zwar weit reichen, aber dafür pro Wegeinheit nur wenig Energie abgeben) auch hochenergetische Elektronen absondert, welche ihre Energie auf einem sehr kurzen Weg geballt aufs Gewebe übertragen. «Dadurch wird es hoffentlich möglich sein, auch einzelne Krebszellen und Metastasen effektiv abzutöten», sagt Müller.

Projekt-Nummer: KFS-4678-02-2019