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Ausweitung der genetischen Testung prüfen

Bisher schränken Richtlinien den Gebrauch von Gentests auf Brustkrebspatientinnen ein, deren Erkrankung bestimmten Kriterien entspricht. Dadurch bleiben einige Brustkrebspatientinnen mit einer Genmutation unerkannt. Lohnt es sich, den Test allen Patientinnen anzubieten?

Konstantin Dedes möchte prüfen, ob sich die Ausweitung der genetischen Testung aus gesundheitsökonomischer Sicht rechnet.

Angelina Jolie hat sie ins Rampenlicht gestellt. Vielen waren die beiden Brustkrebsgene BRCA1 und BRCA2 (die bei der Reparatur von Erbgutschäden eine Rolle spielen) zuvor noch kein Begriff. Doch die Gene sind bei ungefähr drei bis fünf Prozent der Brustkrebspatientinnen – und zehn Prozent der Eierstockkrebspatientinnen – verändert oder mutiert. Der Gendefekt führt dazu, dass Erbgutschäden nicht behoben werden können. Dadurch wird die Entstehung von Krebs begünstigt. Wer mit einer Mutation in diesen Genen zur Welt kommt, hat ein grosses Risiko, im Laufe des Lebens an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken. Die Trägerinnen solcher Mutationen können Medikamente einnehmen oder sich (wie Angelina Jolie) vorsorglich die Eierstöcke oder das Brustgewebe entfernen lassen, um einer Erkrankung vorzubeugen. Doch um zu wissen, wie es um ihre Brustkrebsgene steht, müssen sie genetisch getestet werden. In der Schweiz werden die Kosten für diesen Test nur übernommen, wenn die in den Richtlinien aufgeführten Kriterien für die genetische Abklärung – etwa eine nah verwandte Person mit einer bekannten BRCA-Mutation oder eine Erkrankung im Alter von unter 40 Jahren – erfüllt sind. «Diese Kriterien sind zum Teil willkürlich und stammen aus der Zeit, als die Gentests noch mehr als 7000 Franken kosteten», sagt Konstantin Dedes von der Frauenklinik des Universitätsspitals Zürich. In den letzten Jahren hat der technische Fortschritt in der Sequenzierung des Erbguts die Preise fallen lassen. Nun möchte Dedes mit seinen Kolleginnen und Kollegen in einem von der Stiftung Krebsforschung Schweiz unterstützten Projekt prüfen, ob sich die Ausweitung der genetischen Testung aus gesundheitsökonomischer Sicht rechnet. «Wenn wir mehr Tests machen, steigen einerseits natürlich die Kosten für Diagnostik und Prävention», so Dedes. «Aber andererseits sinken die Kosten mit jedem zusätzlichen Brustkrebs- oder Eierstockkrebsfall, den wir frühzeitig aufspüren – oder sogar verhindern – können.»

Projekt-Nummer: HSR-4671-11-2018