Krebsforschung SchweizKrebsforschungUnterstützte ForschungsprojekteBeispielhafte wissenschaftliche VorhabenWenn die Therapie ans Herz geht

Wenn die Therapie ans Herz geht

Mehr als 80 Prozent der Kinder mit Krebs werden heute erfolgreich behandelt. Die Kehrseite: Die Überlebenden haben ein erhöhtes Risiko, im Erwachsenenalter an Herzkreislaufproblemen zu erkranken, wie Forschende in einer von der Stiftung Krebsforschung Schweiz geförderten Studie feststellen mussten.

Noch vor fünfzig Jahren waren Ärzte schlicht machtlos gegen Krebserkrankungen bei Kindern. Heute können dank beeindruckender Fortschritte in der Medizin vier von fünf Kindern erfolgreich behandelt werden. Deshalb wächst die Gruppe der Kinderkrebsüberlebenden rasch an, in der Schweiz zählen schätzungsweise 10‘000 Personen dazu. Weil die zur Bekämpfung der Krebserkrankung verwendeten Methoden – im Fokus stehen vor allem Chemotherapeutika aus der Gruppe der Anthrazykline sowie die Bestrahlung – nicht nur Krebszellen abtöten, sondern auch gesundes Gewebe schädigen können, leiden zahlreiche Betroffene an unerwünschten Nebenwirkungen.

Diesbezüglich die grössten Sorgen bereiten Herzkreislaufprobleme, die bei Krebsüberlebenden oft erst Jahrzehnte nach der Behandlung auftreten können. Um das Ausmass von diesen Spätfolgen in der Schweiz abzuschätzen, haben Forschende um Claudia Kühni vom Schweizer Kinderkrebsregister in Bern Überlebende – und ihre von Krebs nicht betroffenen Geschwister – gebeten, auf Fragebögen anzugeben, ob sie je eine Herz- oder Kreislauferkrankung hatten. Die Forschenden interessierten sich für das ganze Spektrum der möglichen Beschwerden, das von Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen bis zu Herzversagen und Schlaganfällen reicht.

Dabei zeigte sich, dass Kinderkrebsüberlebende etwa doppelt so häufig betroffen sind: Ungefähr 15 Prozent der Kinderkrebsüberlebenden – und nur acht Prozent ihrer Geschwister – erwähnten in ihren Antworten mindestens ein Herzkreislaufproblem. Und obwohl sich die Behandlungsmethoden in den letzten 30 Jahren stark gewandelt haben (früher wurde etwa viel öfter die ganze Brust des Kindes bestrahlt als heute), ist das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen nicht merklich gesunken.

Dazu kommt, dass das tatsächliche Risiko wahrscheinlich höher ist, als die Befragung vermuten lässt. «Wir denken, dass die Fragebögen nur die Spitze des Eisbergs zeigen», sagt Kühni. Denn meist bahnen sich Herzkreislaufprobleme langsam über subklinische Vorstufen an. So kann etwa ein verminderter Pumpstoss auf eine beginnende Herzschwäche hinweisen. Doch weil diese Vorstufen asymptomatisch sind, wissen die Betroffenen meist nichts davon. Kühni und ihre Mitstreiter planen deshalb schon eine Nachfolgestudie, in der sie mit neuen Untersuchungsmethoden gezielt nach solchen Vorstufen suchen. Sie möchten die Spätfolgen der Krebstherapien in einem frühen Stadium erfassen – also zu einem Zeitpunkt, an dem Patienten von einer Therapie noch optimal profitieren können.