Krebsforschung SchweizKrebsforschungUnterstützte ForschungsprojekteBeispielhafte wissenschaftliche VorhabenWürdevoll Abschied nehmen können

Würdevoll Abschied nehmen können

Psychotherapeutische Konzepte zur Linderung von Ängsten und Depressionen am Lebensende fehlen weitgehend. Doch nun testen von der Stiftung Krebsforschung Schweiz unterstützte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen neuen Therapieansatz.

Obwohl die Palliativmedizin in Sachen Symptomkontrolle und Schmerzreduktion in der letzten Zeit grosse Fortschritte gemacht hat, bleibt die Phase des Sterbens, die sogenannt «terminale Phase», psychisch belastend. Für die Patientinnen und Patienten, für deren Angehörige, aber auch für das Behandlungsteam. «Ausgerechnet in dieser sehr schwierigen Phase sind wir oft hilflos und können wenig anbieten», sagt Josef Jenewein von der Klinik für Konsiliarpsychiatrie und Psychosomatik am Universitätsspital Zürich. Mit seinen Kolleginnen und Kollegen hat Jenewein in einer von der Stiftung Krebsforschung Schweiz finanzierten Pilotstudie untersucht, ob eine standardisierte psychotherapeutische Behandlung den Sterbenden das Gefühl von Würde und Selbstbestimmung zurückgeben und dadurch ihre psychische Belastung reduzieren kann.

Die Studienteilnehmenden mit einer Lebenserwartung von wenigen Wochen wurden zufällig in eine von drei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe erhielt die Standardbehandlung. Patientinnen und Patienten in der zweiten und dritten Gruppe erhielten zusätzlich die psychotherapeutische Behandlung. Bei der zweiten Gruppe waren die Krebsbetroffenen mit dem Therapeuten allein, bei der dritten Gruppe waren zusätzlich die Angehörigen beim Gespräch anwesend.

Die Psychotherapie bot Patientinnen und Patienten die Gelegenheit, über ihr Leben zu sprechen und auf Fragen einzugehen wie «wann fühlten Sie sich am lebendigsten?», «worauf sind Sie besonders stolz?», «was würden Sie gerne weitergeben?» oder «was hat das Leben Sie gelehrt?» Die Therapeuten zeichneten die Gespräche auf und verfassten darauf basierend ein Dokument mit der Kurzbiographie der Patientinnen und Patienten sowie deren Wünsche für die Zukunft. «Die Gespräche lösten sehr viele Emotionen aus», sagt Jenewein.

Alle Teilnehmenden füllten am Schluss einen Fragebogen aus. Die Rückmeldungen deuten darauf hin, dass Patientinnen und Patienten aufgrund der Psychotherapie weniger stressbelastet sind und dass sich vor allem auch die Angst- und Depressionssymptome bei den Angehörigen vermindern lassen. Die vielversprechenden Ergebnisse des Pilotversuchs will das Team um Jenewein nun in einer grösseren, statistisch aussagekräftigen Studie erhärten.