Krebsforschung SchweizKrebsforschungUnterstützte ForschungsprojekteBeispielhafte wissenschaftliche VorhabenZu Risiken und Nebenwirkungen von elektronischen Patientendaten

Zu Risiken und Nebenwirkungen von elektronischen Patientendaten

Die papierene Patientenakte in Spitälern hat ausgedient. Immer öfter kommen komplexe Computersysteme zum Einsatz. Wie wirkt sich das auf die Patientensicherheit aus?

Auf dem elektronischen Patientendossier ruhen grosse Hoffnungen: Idealerweise sorgt es dafür, dass die relevanten Patientendaten jederzeit aktuell und für das ganze Behandlungsteam verfügbar sind. Die dafür benötigten Informationstechnologie-Systeme, auf neudeutsch auch «health information technology» oder «HIT-Systeme» genannt, stehen mittlerweile praktisch in allen Spitälern in der Schweiz im Einsatz. Dabei verwalten sie nicht nur die Patientendaten, sie können bei Bedarf auch auch Hinweise und Erinnerungen (etwa an bevorstehende Untersuchungstermine) verschicken. Doch inwiefern solche Systeme ein Risiko für die Patientensicherheit darstellen, war bisher nicht bekannt.
Nun haben David Schwappach und seine Kolleginnen und Kollegen von der Stiftung für Patientensicherheit in einem von der Stiftung Krebsforschung Schweiz geförderten Projekt die Nutzung von HIT-Systemen anhand von Interview- und Beobachtungsmethoden untersucht. Die Forschenden um Schwappach sprachen mit Ärztinnen und Ärzten sowie Pflegefachpersonen in drei verschiedenen onkologischen Spital-Ambulatorien. «Einige unserer Gesprächspartner bemängelten, dass auf die Informationen im HIT-System teilweise kein Verlass ist», sagt Schwappach. Dies verursache ein Unwohlsein bei den Spitalangestellten.
Die Interviews brachten auch zahlreiche weitere Probleme ans Licht: So brauchen die Systeme manchmal sehr lange, um die Patientendaten zu laden. Einige Pflegefachpersonen arbeiten mit Ausdrucken von elektronischen Patientenakten, doch wenn sie ihre Einträge auf Papier notieren, erfahren die anderen Behandelnden nichts davon. Und es gab Ärztinnen und Ärzte, die ihre Berichte als Word-Dokumente verfassen, weil die Textverarbeitungsfunktionen in ihrem HIT-System zu umständlich sind.
Die Forschenden um Schwappach haben vor, einige Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegefachpersonen im Arbeitsalltag zu begleiten – und jeden ihrer Handgriffe an den HIT-Systemen zu beobachten, um die in den Interviews erfassten Probleme zu validieren. Dann gilt es, in all diese anekdotenhaften Beschreibungen eine Systematik zu bringen und die Schlussresultate in einigen Monaten zu veröffentlichen. Allerdings zeichnet sich bereits jetzt ab, dass insbesondere die Inkompatibilität verschiedener HIT-Systeme und «Copy/Paste»-Vorgänge ein Risiko für die Patientensicherheit darstellen. «Das grundlegende Problem ist, dass sich die Mitarbeitenden im Spital häufig dem jeweiligen HIT-System anpassen müssen – anstatt umgekehrt», sagt Schwappach.