Krebsforschung SchweizKrebsforschungUnterstützte ForschungsprojekteBeispielhafte wissenschaftliche VorhabenUngleichheiten vor der Röntgenmaschine

Ungleichheiten vor der Röntgenmaschine

Heute führen 12 von 26 Kantonen in der Schweiz Mammografie-Screeningprogramme durch. Helfen diese Programme, die Unterschiede in der Inanspruchnahme dieser Vorsorgeuntersuchungen gegen Brustkrebs zu verringern?

In der Schweiz haben die Kantone Genf, Waadt und Wallis im Jahr 1999 erstmals Mammografie-Screeningprogramme eingeführt. Im Rahmen solcher Programme werden alle Frauen im Alter zwischen 50 und 70 Jahren eingeladen, sich vorsorglich radiologisch untersuchen zu lassen. Das Ziel ist, dank den Röntgenbildern allfällige Brustkrebserkrankungen schon in einem frühen Stadium zu entdecken, wenn der Tumor noch gut behandelbar ist.

Tatsächlich belegen mehrere Studien, dass regelmässige Vorsorgeuntersuchungen die Sterberate von Brustkrebs zu senken vermögen. Daten aus verschiedenen Ländern deuten jedoch darauf hin, dass es vor allem die gebildeten und gutverdienenden Frauen sind, die sich für Mammografien anmelden. Frauen mit tieferen Einkommen scheinen diesen Untersuchungen eher aus dem Weg zu gehen, obwohl sie im Vergleich mit den bessergestellten Frauen ein erhöhtes Risiko haben, an Brustkrebs zu erkranken.

«Ein solidarisches Gesundheitssystem sollte den Menschen einen gleichberechtigten Zugang zu Behandlungen ermöglichen», sagt Stéphane Cullati. Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen von der Universität und den Universitätsspitälern in Genf ist er der Frage nachgegangen, ob offizielle Mammografie-Screeningprogramme die Unterschiede in der Nutzung dieser Untersuchungen verringern. Die einmalige Situation in der Schweiz gleiche einem kontrollierten Experiment, weil insgesamt weitere neun Kantone den Pionieren in der Westschweiz gefolgt seien, sagt Cullati. Dadurch könnten er und seine Kolleginnen und Kollegen die Daten von vor und nach der Einführung von Screeningprogrammen miteinander vergleichen.

Ihre ersten vorläufigen Resultate zeigen, dass die Programme zu einer Zunahme von Mammografien führen – allerdings bei allen Frauen. So einfach scheinen die Ungleichheiten zwischen Arm und Reich nicht aus dem Weg zu räumen sein.