Gut die Hälfte aller Krebspatientinnen und -patienten erhalten im Verlauf ihrer Behandlung eine Bestrahlung. Das Ziel ist, die Tumorzellen mit den hochenergetischen Strahlen abzutöten. Dass dabei aus den absterbenden Krebszellen Moleküle in die Umgebung des Tumors gelangen, die das körpereigene Immunsystem stimulieren, hat ein Wissenschaftler bereits in den 1950er-Jahren beschrieben. Er beobachtete, dass die Strahlentherapie bei einigen Patientinnen und Patienten ähnlich wie eine Impfung gegen ihren Krebs wirkte. Doch leider treten solche Fälle nur sehr selten auf. Deshalb blieb das Interesse an diesem Befund lange Zeit gering.
Immunstimulierender Effekt der Bestrahlung
Das änderte sich, als vor 14 Jahren die ersten immuntherapeutischen Arzneimittel, die sogenannten Immun-Checkpoint-Blocker, ihren Weg in die Klinik fanden. Die Wirkung dieser Medikamente wird oft als «Lösen der Handbremse» umschrieben. Sie besetzen – oder blockieren – eine Kontaktstelle auf den Immunzellen, an der sonst Krebszellen andocken, um den Immunzellen mitzuteilen, dass sie inaktiv bleiben sollen. Ist die Kontaktstelle blockiert, können die Krebszellen keinen Einfluss ausüben und die Immunzellen gehen gegen sie vor. Die Wissenschaft ging davon aus, dass es mit diesen neuen Medikamenten gelingen müsste, den immunstimulierenden Effekt der Bestrahlung öfter – also bei einer grösseren Anzahl von Patientinnen und Patienten – zur Geltung zu bringen.
Problem der gleichzeitigen Bestrahlung
Tatsächlich brachten zahlreiche Versuche im Labor «nicht nur ermutigende Ergebnisse, sondern auch überzeugende mechanistische Erklärungen für die Wirkungsweise der kombinierten Behandlung» hervor, sagt Martin Pruschy, Leiter der Forschungsgruppe Radiobiologie am Universitätsspital Zürich. Allerdings: «Bisher ist es nur teilweise gelungen, die vielversprechenden ersten Forschungserfolge in die klinische Praxis zu übertragen», fährt er fort. In einem von der Stiftung Krebsforschung Schweiz geförderten Projekt haben Pruschy und sein Team nun eine mögliche Erklärung dafür gefunden.
