Die Zeiten als Brustkrebserkrankungen oft tödlich endeten, sind zum Glück vorbei. «Brustkrebs ist heute in den allermeisten Fällen sehr gut behandelbar», sagt Elisabeth Kappos, Kaderärztin für rekonstruktive Chirurgie am Universitätsspital Basel. «Dadurch verschiebt sich der Fokus», fährt sie fort. «Es geht nicht mehr nur ums reine Überleben, sondern zusehends auch um die Lebensqualität in der Zeit nach der Therapie.»
Gewebeschwellung im Arm
Als Mitglied des Brustzentrums Basel steht Kappos schon seit Jahren im Austausch mit Brustkrebsüberlebenden. Dadurch weiss sie, dass die so genannten brustkrebsbedingten Lymphödeme ein grosses Problem darstellen. Das sind Gewebeschwellungen in den Armen. Sie entstehen, wenn die Lymphbahnen in den Achselhöhlen nach einer Operation oder einer Strahlentherapie beschädigt werden – und sich die Flüssigkeit in der Folge ansammelt.
Die Schwellungen sind oft sehr unangenehm. Sie beeinträchtigen die Beweglichkeit in den Schultern und können zu Entzündungen führen. Weil im Schnitt jede fünfte Patientin darunter leidet, gehören die brustkrebsbedingten Lymphödeme «zu den am stärksten unterschätzten und belastendsten Nebenwirkungen der Therapie», sagt Kappos.
Bis vor kurzem standen Betroffenen nur Massnahmen wie etwa Lymphdrainage und Kompressionsärmel zur Verfügung, die zwar die Symptome der Schwellung bekämpfen – aber das Lymphödem nicht heilen – können. Erst im letzten Jahrzehnt sind neue mikrochirurgische Verfahren entstanden, mit denen Verbindungen zwischen Lymphgefässen geschaffen oder intakte Lymphknoten von anderen Orten im Körper in die geschädigte Region verpflanzt werden können.
