Flüssigbiopsie bei Krebs – was Liquid Biopsy heute schon kann

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24. Juni 2026

Blut statt Gewebe: Liquid Biopsy verspricht präzisere Diagnostik und individuellere Therapien. Zwei Forscherinnen erklären, wie realistisch diese Erwartungen sind.

Was eine Flüssigbiopsie sichtbar machen kann

Bei einer klassischen Biopsie wird Gewebe entnommen. Die Liquid Biopsy funktioniert anders: Stattdessen analysieren Forschende eine Blutprobe und suchen darin nach DNA-Spuren von Tumoren. Diese können entstehen, wenn Krebszellen absterben und genetisches Material ins Blut freisetzen.

Solche Spuren könnten künftig helfen, Krebserkrankungen früher zu erkennen, verbliebene Tumorzellen nach einer Operation aufzuspüren oder Therapien gezielter auszuwählen. In der klinischen Praxis wird Liquid Biopsy heute bereits für bestimmte Fragestellungen eingesetzt, etwa wenn Tumorgewebe fehlt oder Veränderungen im Tumor-Erbmaterial gesucht werden. Für viele Anwendungen braucht es jedoch noch weitere Forschung, damit die Ergebnisse zuverlässig eingeordnet werden können.

 

Forschung für präzisere Behandlungen

Mit diesen Herausforderungen beschäftigt sich auch Prof. Heather Dawson vom Institut für Gewebemedizin und Pathologie der Universität Bern. Ihr von der Krebsforschung Schweiz unterstütztes Forschungsprojekt untersucht, wie Flüssigbiopsien bei Darmkrebs eingesetzt werden können. Ziel ist es, selbst kleinste Mengen verbliebener Tumor-DNA nachzuweisen. Das könnte helfen, Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Rückfallrisiko frühzeitig zu erkennen und anderen unnötige Untersuchungen oder Behandlungen zu ersparen.

Auch Onkologin Prof. Sabine Schmid vom Inselspital Bern sieht Potenzial: Nach einer Krebsoperation erhalten viele Betroffene vorsorglich weitere Therapien, obwohl oft unklar ist, ob tatsächlich noch Tumorzellen vorhanden sind. Präzisere Tests könnten solche Entscheidungen künftig individueller machen.

Liquid Biopsy könnte die Krebsmedizin in Zukunft stärker prägen. Bis die Methode ihr volles Potenzial entfalten kann, braucht es jedoch weitere Forschung und eine sorgfältige Kombination mit bewährten diagnostischen Verfahren.