Bestimmte Darmbakterien können das Immunsystem stärken und in Experimenten das Wachstum von Tumoren bremsen. Das zeigt ein erfolgreich abgeschlossenes Forschungsprojekt.
Bestimmte Darmbakterien können das Immunsystem stärken und in Experimenten das Wachstum von Tumoren bremsen. Das zeigt ein erfolgreich abgeschlossenes Forschungsprojekt.
Bestimmte Darmbakterien können das Immunsystem stärken und in Experimenten das Wachstum von Tumoren bremsen. Das zeigt ein erfolgreich abgeschlossenes Forschungsprojekt.
Der Darm ist ein erstaunliches Zusammenspiel aus Bakterien, Pilzen und menschlichen Zellen. Besonders spannend ist für Prof. Michael Scharl vom Universitätsspital Zürich, wie stark der Darm mit dem Immunsystem verbunden ist. «Mich fasziniert, wie diese Mikrowelt funktioniert und welche Bedeutung sie für unsere Gesundheit hat», sagt der Gastroenterologe.
Sein erfolgreich abgeschlossenes Forschungsprojekt verfolgte ein ehrgeiziges Ziel: Darmbakterien so zu nutzen, dass sie das Immunsystem dabei unterstützen, Krebszellen besser zu bekämpfen. Erste Studien zeigten zuvor, dass die Zusammensetzung der Darmflora den Erfolg von Immuntherapien beeinflussen kann. In früheren Projekten konnte das Team bereits Bakterien identifizieren, die das Immunsystem aktivieren und das Tumorwachstum in Modellen bremsen – insbesondere sogenannte Clostridiales-Bakterien. Auch Ergebnisse aus Studien mit sogenanntem fäkalem Mikrobiota-Transfer, also der Übertragung gesunder Darmflora, bestätigen diesen Zusammenhang.
Aufbauend auf diesen vielversprechenden Erkenntnissen wollte der Forscher in diesem Projekt herausfinden, ob sich die Wirkung der Clostridiales-Bakterien durch die Kombination mit Bifidobakterien steigern lässt. Diese sind «gute» Darmbewohner, die das Gleichgewicht im Darm fördern und das Wachstum anderer nützlicher Mikroben unterstützen. «Wir wollten prüfen, ob dadurch die antitumorale Wirkung der Clostridiales-Bakterien stärker wird», erklärt Scharl. Und tatsächlich erwies sich die Kombination mit Bifidobakterien in Tierversuchen als besonders wirksam: In Darmkrebs-Mausmodellen wuchsen die Tumoren langsamer, und mehr Abwehrzellen wanderten in das Tumorgewebe ein.
Ausserdem untersuchte sein Team, wie einzelne Bakterien und Mischungen auf Immunzellen und Tumorzellen in Laborversuchen und Mausmodellen wirken. Besonders die Art namens Roseburia intestinalis zeigte spannende Effekte: Sie beeinflusst Makrophagen – das sind Immunzellen, die an der Beseitigung von Krebszellen beteiligt sind – sodass sie stärker gegen den Krebs aktiv werden.
«Unser langfristiges Ziel ist es, Bakterien als natürliche Ergänzung in der Krebstherapie einzusetzen», so Scharl. Denkbar wäre, dass sie eines Tages als Kapsel oder Trinklösung verabreicht werden. Damit könnte die Forschung vielen Krebspatientinnen und Krebspatienten neue Hoffnung geben – und zeigen, wie viel Potenzial in der unscheinbaren Welt der Darmbakterien steckt.
Text: Danica Gröhlich, Fotos: Thomas Oehrli (visualcraft.ch)
KFS-5372-08-2021
