Sarkome sind seltene, aber aggressive Krebsarten, die besonders oft Kinder treffen. Zwei Forscherinnen möchten eine moderne Form der Immuntherapie weiterentwickeln, damit sie gezielter wirkt und Hoffnung auf schonendere Behandlungen gibt.
Sarkome sind seltene, aber aggressive Krebsarten, die besonders oft Kinder treffen. Zwei Forscherinnen möchten eine moderne Form der Immuntherapie weiterentwickeln, damit sie gezielter wirkt und Hoffnung auf schonendere Behandlungen gibt.
Sarkome entstehen im sogenannten Stütz- und Bindegewebe – also in Muskeln, Knochen, Fett oder Sehnen. «Man kann sich dieses Gewebe als Gerüst des Körpers vorstellen», erklärt Dr. Melita Irving. «Wenn sich Zellen in diesem Gerüst unkontrolliert teilen, entstehen Sarkome.» Bei Erwachsenen sind sie selten, doch bei Kindern machen diese rund 20 Prozent aller sogenannten soliden bösartigen Tumoren aus.
Oft sind plötzliche Veränderungen im Erbgut, sogenannte Genfusionen, die Ursache. Diese aktivieren Wachstumssignale, die die Zellen ausser Kontrolle geraten lassen. «Kinder sind besonders gefährdet, weil sich ihre Zellen im Wachstum ständig teilen», pflichtet ihre Forschungskollegin, Dr. Antonia Digklia, bei. «Das erhöht die Wahrscheinlichkeit solcher Fehler.» Die Erkrankung ist schwer zu erkennen, da die Tumoren tief im Gewebe liegen und sich früh über die Blutbahn ausbreiten.
Die heutigen Behandlungsmöglichkeiten – Chemotherapien oder einzelne zielgerichtete Medikamente – seien oft nicht ausreichend. «Viele Kinder erleiden Rückfälle, und die Nebenwirkungen der Therapie sind enorm», so Irving weiter. Auch moderne Immuntherapien wie Checkpoint-Inhibitoren helfen bisher nur wenigen Betroffenen mit Sarkomen.
Die beiden Wissenschaftlerinnen am Centre hospitalier universitaire vaudois CHUV setzen nun auf eine Weiterentwicklung der adaptiven Zelltherapie. Dabei werden körpereigene Abwehrzellen, sogenannte T-Zellen, gentechnisch so verändert, dass sie Krebszellen gezielt erkennen und zerstören können. «Wir entwickeln spezielle Rezeptoren, welche die T-Zellen direkt zu den Sarkomzellen führen», erklärt die klinische Forscherin Digklia.
Zusätzlich werden die T-Zellen so angepasst, dass sie im schwierigen Tumormilieu länger aktiv bleiben und sicher wirken. «Unser Ziel ist eine Therapie, die stark genug ist, um den Krebs zu besiegen und gleichzeitig schonend genug, um Kindern ein normales Leben zu ermöglichen.»
Die grösste Herausforderung liege darin, Wirksamkeit und Sicherheit in Einklang zu bringen. Doch das Potenzial sei gross: «Wir hoffen, dass unsere Forschung nicht nur bei Sarkomen, sondern auch bei anderen seltenen soliden Tumoren den Weg für neue, wirksame Immuntherapien ebnet», zeigen sich die Forscherinnen zuversichtlich.
Text: Danica Gröhlich, Fotos: Thomas Oehrli (visualcraft.ch)
KFS-6348-02-2025