Ein Glioblastom gehört zu den schwerwiegendsten Krebsdiagnosen. Der aggressive Hirntumor wächst sehr schnell und lässt sich auch durch eine Operation meist nicht vollständig entfernen. Trotz Operation, Bestrahlung und Chemotherapie leben die meisten Betroffenen nur etwas mehr als ein Jahr nach der Diagnose. Weniger als fünf Prozent überleben länger als fünf Jahre. Deshalb ist die Suche nach besseren Therapien dringend.
«Ein Glioblastom ist eine der verheerendsten Diagnosen, die ein Mensch erhalten kann. Bessere Behandlungen zu finden, hat für uns höchste Priorität», erklärt Prof. Johanna Joyce von der Universität Lausanne.
Warum der Tumor immer wieder zurückkommt
Das Forschungsteam von Joyce untersuchte, warum Glioblastome nach einer Behandlung fast immer wieder auftreten. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden heraus, dass die Therapien selbst im Gehirn eine Wundheilungsreaktion auslösen. Dabei entstehen narbenähnliche Strukturen, die verbliebenen Krebszellen Schutz bieten.
In diesen geschützten Bereichen können die Tumorzellen in eine Art Schlafzustand wechseln. Sie entgehen dem Immunsystem und beginnen später erneut zu wachsen. «Wir haben entdeckt, dass die Behandlung selbst einen geschützten Rückzugsort für Tumorzellen schaffen kann», erläutert die Forscherin.
Ein neuer Ansatz für bessere Therapien
Mit modernen Bildgebungsverfahren und molekularen Analysen konnte das Team zeigen, dass neue Tumoren fast immer in der Nähe dieser Narben entstehen. Besonders erstaunlich: Das galt unabhängig von der zuvor eingesetzten Behandlung.
In präklinischen Modellen gelang es den Forschenden, die Narbenbildung zu reduzieren. Dadurch verbesserten sich die Überlebenschancen deutlich. «Wenn wir diese Narbenbildung verhindern, könnten wir das Wiederauftreten des Tumors verzögern oder sogar verhindern», hofft Joyce.
Ihre Ergebnisse eröffnen einen neuen Weg im Kampf gegen Glioblastome. Künftig könnte die Kombination aus Standardtherapien und Medikamenten gegen die Narbenbildung vielen Patientinnen und Patienten neue Hoffnung geben.
Projektnummer: KFS-5280-02-2021
